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Der Weg ist das Ziel

Auf den Spuren der Bären und Wölfe



Welche Strecke sollen wir nehmen, um nach Hause zu fahren…

Welche Stecke sollen wir nehmen, um nach Hause zu fahren. Das waren immer wieder lange und grosse Diskussionen zwischen uns zwei. Soll es nun doch über Macedonien und Albanien, oder doch Serbien, Kroatien, Sarajevo wäre doch auch sehr interessant und und und. Wie durch einen Zufall fanden wir einen Artikel im Internet von einem Touranbieter, der ein Gebiet in Rumänien beschreibt, wo noch zahlreiche wilde Tiere, besonders Bären, Luchse und Wölfe, zu beobachten sind. Die Antwort war schnell gefasst und so entschlossen wir uns, dieses Gebiet mal genauer unter die Lupe zu nehmen. Von Istanbul ging’s dann in einem Tag direkt nach Bucarest. Unsere Erinnerungen an Bucarest von 1998, mit den alten Strassen und den noch älteren Strassenbahnen, kamen auf. Fühlten wir uns doch damals um Jahrezehnte zurückversetzt. Wir staunten sehr, was in dieser kurzen Zeit hier alles gegangen war. Bucarest ist eine moderne und geschäftstüchtige Stadt geworden. Die Strassen ausgebaut und selbst die alte Strassenbahn wurde durch eine neue, moderne ersetzt. Bucarest wurde von einem französischen Architekten geplant und somit viel als „Klein-Paris“ bezeichnet, was man beim Schlendern durch diese Stadt auch deutlich zu sehen bekommt. Ceausescu hat sich dann mit dem absolut gigantischen Parlamentsgebäude, nach dem Pentagon das zweit grösste der Welt und der Prachtstrasse zu diesem Gebäude, die länger und breiter als die Champs Elysees ist, so richtig ein Denkmal für die Ewigkeit gesetzt. Wie dieser Mann das rumänische Volk ausgenommen und unterdrückt hat, sieht man ganz besonders durch eine Führung in diesem von ihm genanntem „Haus der Menschen“, mit seinen riesigen Räumen, natürlich alles in Marmor und besten Materialien ausgekleidet. Bucarest ist wirklich eine sehenswerte Stadt geworden und mit seinen zahlreichen Parks und breiten Strassen ein Ort, der einen Stopp lohnt.
Weiter gings dann in die Berge zur Sommerresidance der rumänischen Königsfamilien. Dieses mehrheitlich aus Holz gebaute Schloss ist sehr lohnenswert und hat ein paar wirklich eindrückliche Räume und eine grosse Waffensammlung von König Karl zu bieten. Das Schloss ist wunderschön eingebetet in die Bergewelt von Carpatien.
Nun machten wir uns weiter auf den Weg zu den Bären und fuhren mit allen Informationen die wir hatten, nämlich einen ausgedruckten Reiseprospekt mit ein paar Namen, die uns weiterhelfen sollten in das Dorf Zarnesti. Nach langem Durchfragen wurden wir dann von der netten Dorfbevölkerung zu der Familie Popa geführt, die eine kleine Pension führen. Diese Adresse war dann auch goldrichtig, denn von ihnen erfuhren wir so richtig alles über Bären, Luchse und Wölfe und die Projekte, die sie in dieser Gegend lancieren. Rumänien hat eine Population von etwa 5000 Bären und über 3000 Wölfe. Diese Grossjäger leben schon seit Generation mit den Menschen zusammen und werden gegenseitig mehr oder weniger akzeptiert. Damit das noch viele Jahre so bestehen bleibt, werden in dieser Region viele Projekte gestartet, die bestimmt nicht leicht zu bewältigen sind. Nach der Wende vom Sozialismus in die freie Marktwirtschaft ist es leider, doch auch verständlicherweise sehr schwer, den Leuten klarzumachen, dass man die Natur schützen muss und nicht mit Bau von riesen Hotelanlagen, die zwar das schnelle Geld bringen, zerstören sollte. Wir hatten die Gelegenheit mit Peter, einem Wildtierforscher uns über seine Arbeit zu unterhalten und konnten sehr viel über diese interessanten Tiere lernen. Wir unternahmen viele Wanderungen in den Bergen von Carpatien und lernten noch die beiden zahmen Wölfe vom Forschungsteam kennen.
In Brasov, der Nachbarstadt von Zarnesti, gibt es einen Ort, wo sich manchmal abends die Bären über die Mülltonen hermachen, um sich noch ein paar Leckerbissen zu erangeln. Aus diesem Grund werden die Bären hier auch die Müllbären genannt. Wir liessen es uns natürlich nicht nehmen, diese auch aufzusuchen und fuhren in der Dämmerung los, um sie nicht zu verpassen. Wirklich kamen dann die riesigen Braunbären vom Wald her und machten sich über die Mülltonen her. Selbst das Blitzten der Kamera machte ihnen nichts aus und für die Leute die hier wohnen, scheint es auch immer wieder aufs Neue einen Genuss zu sein, ihnen bei der Arbeit zuzusehen. Es war ein riesen Erlebiss diese Bären zu beobachten, ganz besonders, weil noch kleine drollige Jungen dabei waren.
Wir hatten wunderschöne und besonders lehrreiche Tage hier in Rumänien. Bestimmt wäre es sehr interessant in fünf Jahren nochmals zurückzukehren um zu erfahren, was aus dem ehrgeizigen Einsatz der Projektleute gefruchtet hat.

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